Thaliastraße_Neu

Thaliastrasse neu
Thaliastrasse Neu

Thaliastraße NEU

Am 24.3.2021 wurden die Gestaltungspläne und der Zeitplan für den Umbau des ersten Abschnitts der Thaliastraße vom Gürtel bis zur Feßtgasse präsentiert. Das Projekt wurd am 26.3.2021 in der Sitzung der Ottakringer Bezirksvertretung abgestimmt und hoffentlich mit großer Mehrheit über Parteigrenzen hinaus beschlossen.

Hier ein paar Fakten im Überblick, für alle die gerne einen schnellen Überblick haben:

Wo: Erster Abschnitt – Vom Gürtel bis zur Festgasse

Wann: Juni – November 2021 (Nacharbeiten bis in den Dezember)


BürgerInnenbeteiligung

Über 3000 BewohnerInnen, BesucherInnen und Geschäftstreibende haben am BürgerInnenbeteiligungsprozess teilgenommen und mitentschieden.

Umgestaltung im Überblick

Mehr Abkühlung

23 Nebelstelen, 12 Trinkbrunnen, 3 Wasserspiele und 2 „Coole Plätze“

Mehr Grün

91 neue Bäume (71 direkt auf Straße und 20 in den Seitengassen Lindauergasse, Deinhardsteingasse und am Hofferplatz)

Mehr Plätze zum Verweilen

37 Aufenthaltsbereiche und 217 Sitzgelegenheiten

Verbesserungen für RadfahrerInnen

130 Radabstellplätze und bessere Anbindung an die Hasnerstraße. Öffnung der Querstraßen (Radfahren gegen die Einbahn)

Attraktive Geschäftsstraße für Alle

Barrierefreie Gestaltung, Platz für Schanigärten, Aufwertung und Erhalt von 98 Stellplätzen und der Ladezonen

Umleitungen/Straßensperren

Teilweise wird es natürlich zu Komplettsperren kommen müssen, die aber sobald der Teilabschnitt fertig ist, wieder für den Verkehr geöffnet werden.

Empfehlung großräumig auszuweichen (Ottakringer Straße, Koppstraße…)

AnrainerInnen/GaragenbesitzerInnen werden jedoch zu jeder Zeit zufahren können.

 

Warum eine Umgestaltung?

Die Thaliastraße ist die bedeutendste Einkaufsstraße Ottakrings. Sie hat einer Länge von 2,5 Kilometer und ist insbesondere durch die 46er-Straßenbahn, aber auch durch die U3, die U6, die S45, die 9er-, 10er- und 44er-Straßenbahn, sowie den 10A-Bus bestens angebunden und damit auch aus den Nachbarbezirken gut erreichbar. Weiter verläuft die Hasnerstraße, als eine der wichtigsten Radverbindungen Ottakrings, im Abstand von rund 100 Metern parallel zur Thaliastraße und ein Großteil der rund 100.000 Ottakringerinnen und Ottakringer wohnen, arbeiten oder verbringen in Freizeit in unmittelbarer Nähe zur Thaliastraße.

Diese Voraussetzungen zeigen das Potential, welches in der Thaliastraße steckt. Die Thaliastraße ist Lebens- und Versorgungsader des 16. Bezirks und soll das auch in Zukunft bleiben. Das war der Hauptgrund, warum Bezirksvorsteher Franz Prokop (SPÖ) im Herbst 2019 das Projekt „Thaliastraße NEU“, mit der Zielvorgabe, die Thaliastraße fit für die Zukunft zu machen, gestartet hat.

Was heißt „fit für die Zukunft“?

Doch was heißt „fit für die Zukunft machen“ genau? Gerade das letzte Jahr – das ganz im Zeichen der Coronakrise stand – hat gezeigt, dass Vorhersagen darüber, was die Zukunft bringen wird, oft schwierig sind. Dennoch ist Bezirksentwicklung genau das: Das Weiterentwickeln des Bezirks um diesen für zukünftige Anforderungen zu rüsten – unter Einbindung von ExpertInnen und BürgerInnen und auf Grundlage gesamtstädtischer Strategien.

Eine solche zukünftige Herausforderung ist jedenfalls der Klimawandel: Es wird in den nächsten 20 Jahren in Wien deutlich wärmer werden. Die Prognosen des Climate Change Center Austria (CCCA) gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2050 die Jahres-Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad steigen wird. Auch die Zahl der Hitzetage, die in den vergangenen 10 Jahren schon massiv zugenommen hat, wird sich von gegenwärtig 30 – 40 pro Jahr noch weiter erhöhen.

Besonders deutlich ist die Erwärmung jetzt schon in den dicht bebauten Gebieten Ottakrings zu spüren, also genau in den Grätzln entlang der Thaliastraße. Der geringe Anteil an Grünflächen und die fehlenden Bäume tragen maßgeblich dazu bei, dass sich zum Einen Asphalt und Fassaden stark erwärmen und zum Anderen es kaum Schatten und kühlende Verdunstungsflächen gibt. Eine Einkaufsstraße der Zukunft muss darauf jedenfalls vorbereitet sein.

Bäume als wesentliches Gestaltungselement

Das wesentlichste Gestaltungselement der „Thaliastraße NEU“ sind deshalb Bäume. Insgesamt werden direkt in der Thaliastraße auf dem Kilometer vom Gürtel bis zur Feßtgasse 71 neue Bäume gepflanzt und 20 weitere Bäume in den Seitengasse – zum Teil in unmittelbarer Nähe zur Thaliastraße. Es wird also zukünftig auf jeder Straßenseite alle 20 – 30 Meter ein Baum Schatten spenden und die gefühlte Temperatur merkbar reduzieren. Damit die Bäume rasch und gut anwachsen, werden sie automatisch bewässert und es wird der Wurzelraum mit einer speziellen Baumerde verfüllt. Diese ist in der Lage Feuchtigkeit besonders gut zu speichern und man spricht deshalb auch vom „Schwammstadtprinzip“. Auch bei der Auswahl der Bäume setzt man auf widerstandfähige und temperaturresistente Sorten wie Ulmen und Schnurbäume.

Zusätzlich zu den Baumpflanzungen sorgen auch noch 23 Nebelstelen und 12 Trinkbrunnen in regelmäßigen Abständen für Abkühlung, nicht nur für Mensch, sondern auch für Hunde. Einzelne Trinkbrunnen werden nämlich mit „Trinknapfen“ ausgestattet sein. Darüber hinaus werden beim Hofferplatz und bei der Wendgasse mittels Wasserspielen „Coole Plätze“ geschaffen, die Kindern an Hitzetagen Spaß und Abkühlung verschaffen werden.

FußgängerInnenfrequenz bringt Kundschaft

Der für die Baumpflanzungen notwendige Platz verringert natürlich die Zahl der Autoabstellplätze, da Bäume ausschließlich im Bereich der aktuellen Parkspur gepflanzt werden können. Dennoch werden aber auch zukünftig rund 100 Parkplätze inkl. Ladezonen und Taxistandplätze direkt in der Thaliastraße zur Verfügung stehen und auch in den Seitengassen stehen in unmittelbarer Nähe (in max. 75 Metern Entfernung) weitere 500 Parkplätze zur Verfügung.

Dieser Kompromiss trägt der Tatsache Rechnung, dass bereits heute ein Großteil der PassantInnen in der Thaliastraße zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind.

  • Verkehrszählungen zeigen, dass in der Morgen- und Abendspitze (6-9 bzw. 15-19 Uhr) pro Stunde und Richtung 350 – 450 PKWs die Thaliastraße passieren.
  • Die 46er Straßenbahn transportiert rund vier- bis fünfmal so viele Personen je Stunde und Richtung, also rund 2.000 Personen.
  • Bei der Haltestalle Thaliastraße/Brunnengasse steigen täglich rund 4.500 Fahrgäste aus und über 5.000 Fahrgäste ein.
  • Und bei den FußgeherInnen, die bei Verkehrszählungen nur in Kreuzungsbereichen erfasst werden, sind es vor allem in der Abendspitze bis zu 350 Personen je Richtung am Lerchenfelder Gürtel und bis zu 250 Personen je Richtung auf Höhe der Kirchstetterngasse. Die PassantInnen, die aus der unmittelbaren Umgebung die Thaliastraße frequentieren, sind hier noch nicht erfasst.

Mehr als eine Geschäftsstraße

Wenn von der Thaliastraße als Einkaufsstraße die Rede ist schwingt oft auch eine Portion Nostalgie mit. Vor allem viele ältere Ottakringerinnen und Ottakringer erinnern sich gerne an die „Blütezeit der Thaliastraße“ in den 1970er-Jahren zurück. Historische Aufnahmen zeigen tatsächlich ein idyllisches Bild und was in all diesen Aufnahmen auffällt ist der geringe Anteil an Autos. Das ist kein Wunder. Während es heute in Ottakring bei rund 100.000 EinwohnerInnen 32.000 PKWs gibt, gab es im Jahr 1970 bei rund 110.000 EinwohnerInnen nur rund 17.000 PKWs. Folglich fuhr man auch damals mit den Öffis auf die Thaliastraße oder ging zu Fuß, anstatt wie heute vielleicht mit dem Auto in eines der Shoppingcenter am Stadtrand.

Mehr Platz zum Einkaufen, Flanieren und Tratschen

Auch heute ist ein Großteil der Einkaufenden zu Fuß in der Thaliastraße unterwegs. Das zeigt die aktuelle PassantInnenzählung Wirtschaftskammer Wien (WKW) aus dem Jahr 2020. An Donnerstagen sind rund 6.000 PassantInnen und an Samstagen rund 5.000 PassantInnen in der Thaliastraße unterwegs. Weiter zeigen die Ergebnisse einer – zugegebenermaßen nicht mehr ganz aktuellen PassantInnenbefragung aus dem Jahr 2008 – auch, dass 75 Prozent der PassantInnen aus Ottakring sind, 60 Prozent kommen zu Fuß, weitere 34 Prozentmit den öffentlichen Verkehrsmitteln und nur knapp über 3 Prozent kommen mit dem PKW.

Das Auto war und ist folglich nicht das bevorzugte Verkehrsmittel der Menschen, die in der Thaliastraße ihre Einkäufe erledigen, und folglich wurde bei der Gestaltung der Fokus auch auf die Bedürfnisse der PassantInnen gelegt, die zu Fuß, mit dem Rad oder mit den Öffis kommen.

Alles auf einer Ebene

Eine Besonderheit der Neugestaltung wird die niveaugleiche Ausführung von Gehsteig, Parkspur und Fahrbahn sein. Das heißt es wird keine klassischen Randsteine mit 10 – 15 Zentimeter Höhe mehr geben, sondern zwischen Fahrbahn und Gehsteig bzw. Parkspur wird nur noch ein 3 Zentimeter hoher Absatz sein. Das ist zum einen gut für die Barrierefreiheit und es macht die Thaliastraße langfristig flexibel.

Man kennt solche niveaugleichen Ausführungen bereits aus der Mariahilfer Straße oder der Neubaugasse, also aus Begegnungszonen. In der Thaliastraße wird aber erstmals eine klassische Straße entsprechend gestaltet. Das hat den Vorteil, dass zukünftig ohne bauliche Maßnahmen auch andere Verkehrslösungen möglich sind. Denn auch wenn in einem ersten Schritt eine Begegnungszone aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht möglich ist, so wird dennoch baulich alles entsprechend vorbereitet. Je nachdem, wie sich der PKW-Verkehr in Zukunft entwickelt, kann rasch auf neue Anforderungen reagiert werden. Auch temporäre Lösungen, wie zum Beispiel eine Fußgängerzone an den langen Einkaufssamstagen vor Weihnachten, sind damit einfacher möglich.

Multifunktionalität

Die niveaugleiche Gestaltung und die beweglichen Sitzelemente aus Betonfertigteilen machen die Thaliastraße multifunktional und anpassbar. Zwar können die Sitzelemente aufgrund ihres Gewichtes nicht „händisch“ verstellt werden, aber mittels „Hubwagerl“ oder Gabelstapler, können je nach Anforderung neue Aufenthaltsbereiche geschaffen oder bestehende Bereiche verändert werden. Das heißt, es ist sichergestellt, dass wenn sich die Nutzungen in der Straße ändern, z.B. ein Geschäft schließt und stattdessen ein Restaurant eröffnet, auch ein Schanigarten anstatt eines Aufenthaltsbereichs möglich ist, oder vice versa.

Da wie bereits zu Beginn erwähnt die zukünftigen Entwicklungen nur bedingt vorhergesagt werden können und insbesondere was den Handel betrifft, die Auswirkungen der Coronakrise und des Online-Handels noch nicht absehbar sind, wird bei der Gestaltung der Thaliastraße großes Augenmerk auf Nutzungsoffenheit gelegt. Die Thaliastraße ist nämlich seit über 100 Jahren mehr als nur eine Straße – also eine Verkehrsverbindung vom Wilhelminenberg ins Zentrum. Sie ist eine Nahversorgungsinfrastruktur für die Ottakringerinnen und Ottakringer für Dinge, Dienstleistungen und Aktivitäten des täglichen Bedarfs: Für Waren aller Art, für Lebensmittel, für soziale Kontakte, für den schnellen Imbiss zwischendurch, für Dienstleistungen aller Art, für Amtswege, für Aus- und Weiterbildung und vieles mehr.

Erfolgreiche BürgerInnenbeteiligung

Diese Bedeutung der Thaliastraße für Ottakring zeigte sich auch in der hohen Beteiligung beim BürgerInnenbeteiligungsverfahren, das von der Gebietsbetreuung Stadterneuerung von März bis November 2020 durchgeführt wurde. Über 3.000 Personen nahmen daran teil, sie nahmen sich Zeit, füllten Fragebögen aus oder nahmen während des ersten Lockdowns an Online-Veranstaltungen teil. Zusätzlich wurden durch die Geschäftsleute von der Wirtschaftskammer Wien (WKW) angeschrieben und zu ihren Wünschen befragt. Diese Hohe Beteiligung zeigt, dass die Thaliastraße den Ottakringerinnen und Ottakringern am Herzen liegt, und in Summe zeigen die Ergebnisse sehr deutlich, dass Verkehrsberuhigung, mehr Verkehrssicherheit, mehr Bäume und mehr Platz zum Verweilen von einem Großteil der Anrainerinnen und Anrainer gewünscht werden. Wünsche, die im vorliegenden Gestaltungsentwurf allesamt berücksichtigt wurden.

Da das BürgerInnenbeteiligungsverfahren von Seiten einzelner politischer Parteien in Misskredit gebracht wird, sollen auch an dieser Stelle nochmal die wesentlichen Fakten dargestellt werden. Die Behauptung, dass bereits im April 2020 die fertigen Pläne am Tisch gelegen sind und das gesamte Beteiligungsverfahren daher eine Frace sei, ist – so klar muss man das sagen – eine schlichtweg falsche Behauptung, die auch durch mehrmaliges Wiederholen nicht richtiger wird.

Tatsache ist vielmehr, dass im März 2020 ein Bewerbungsverfahren für die Vergabe der Planungsleistungen gestartet wurde. Bis Ende Mai 2020 hatten die vier Planungsbüros Zeit, jeweils eine Arbeitsprobe und ein Honorarangebot abgegeben, und von einer Fachjury wurde letztlich das Büro „DnD Landschaftsplanung“ als „Siegerbüro“ ausgewählt. Im Laufe des Sommers wurde dann von der zuständigen Magistratsabteilung für Architektur und Stadtgestaltung das Büro mit der Umsetzung der Planung beauftrag, wobei das Hauptaugenmerk auf der planerischen Umsetzung der Ergebnisse des Beteiligungsverfahren lagen.

Von der Arbeitsprobe zum Gestaltungsplan

Wie maßgeblich die Ergebnisse des Beteiligungsverfahren für die präsentierten Gestaltungspläne sind, zeigt ein Vergleich der im Mai präsentierten Arbeitsproben.

  • Die vorgeschlagenen „Baldachine“ werden nicht umgesetzt und stattdessen deutlich mehr Bäume gepflanzt, da von den Beteiligten mehrheitlich möglichst viele Bäume und eine einfache Gestaltung gewünscht wurden.
  • Auf den ursprünglich vorgesehenen Niveauunterschied zwischen Parkspur und Gehsteig wir aus Gründen der Barrierefreiheit und der Flexibiliät verzichtet. Damit ist sichergestellt, dass zukünftig ohne bauliche Maßnahmen auch eine Begegnungszone möglich ist. Ein Wunsch der ebenfalls von vielen Beteiligten geäußert wurde.
  • Die Sitzelemente aus Betonfertigteilen wurde redimensioniert und in einem helleren Farbton ausgeführt, damit diese weniger dominant in Erscheinung treten. Ebenso wurde die Anzahl der Elemente reduziert um mehr Platz für FußgeherInnen oder auch für Schanigärten zu haben, ebenfalls eine wichtige Forderung derer die sich beteiligt haben.
  • Weiter wird der Kernbereich zwischen der Hippgasse und der Kirchstetterngasse durchgängig gepflastert und dort gänzlich auf Asphalt am Gehsteig verzichtet. Das entspricht dem Wunsch nach höherwertigen Bodenbelägen.

Alles in allem muss man der Gebietsbetreuung Stadterneuerung für den 16. Bezirk (GB*), dem Planungsbüro DnD Landschaftsarchitektur und allen beteiligten ExpertInnen der Fachdienststellen gratulieren, denn sie haben in einer für alle herausfordernden Zeit ein wegweisendes Projekt auf die Beine gestellt. Ein Projekt das neue Maßstäbe setzt und auf dessen Umsetzung man sich freuen darf.

150 Jahre Thaliastraße

Freuen darf man sich auf das Jahr 2022, denn nächstes Jahr wird die Thaliastraße 150 Jahre alt. Die Thaliastraße hat ihren Ursprung nämlich in der Erweiterung des Vorortes Neulerchenfeld ab dem Jahr 1872. Davor war nämlich die Neulerchenfelder Straße, die damals noch Mittlere Gasse hieß, die Hauptstraße des ehemaligen Vorortes. Im Bereich der heutigen Thaliastraße floss noch der Ottakringer Bach, aber es gab schon das namensgebende Thaliatheater.

Wenn wir also nächstes Jahr in Ottakring 150 Jahre Thaliastraße feiern, dann wird das in einer rundumerneuerten Thaliastraße passieren. Darauf dürfen wir uns jetzt schon freuen!